Als erste Anbieterin in der Schweiz entkoppelt Sunrise das 5G-Netz vom 4G-Netz und führt "5G Standalone" (5G SA) in ihrem Mobilfunknetz ein. In der Schweiz nutzt 5G bislang bestehende 4G-Kernnetze zur Steuerung der mobilen Datenverbindungen (sog. "5G Non-Standalone", 5G NSA). Dadurch können einige 5G-Funktionalitäten nicht angeboten werden. Was sich nun aber ändern soll.
Denn bei 5G Standalone (5G SA) übernimmt nämlich neu das 5G-Kernnetz die Steuerung der Daten- und der Telefonie-Verbindungen, woraus sich neue Vorteile und Möglichkeiten ergeben. Etwa einen verbesserter 5G-Empfang in Innenräumen. Denn 5G SA nutze zwar die gleichen Frequenzbänder, wie das bisherige 5G (900 MHz/3700 MHz). Weil aber die Notwendigkeit einer Signalisationsverbindung über 4G entfällt, könne das volle Potenzial der tiefen 900 MHz-Frequenz genutzt und zugleich die Reichweite im 3700 MHz-Bereich gesteigert werden. Das führe künftig zu einer besseren Gesamtversorgung mit 5G, insbesondere in Innenräumen.
Auch sollen die Gesprächsverbindungen künftig stabiler werden. Das bisherige 5G bot nämlich keine Verbindungen für Gespräche. Anrufe erfolgten über 4G (sog. "Voice over LTE, VoLTE"). Bei 5G SA erfolgen Gespräche direkt über das 5G-Netz (sog. "Voice over New Radio, VoNR"). Dadurch sollen die Verbindungen stabiler sein und 5G-Datenverbindungen werden bei einem Anruf nicht mehr blockiert. Sprachanrufe und Datenverbindungen sind bei 5G SA gleichzeitig möglich, so Sunrise.
Auch die Akkulaufzeiten bei Smartphones & Co. werden länger: Beim bisherigen 5G verbinden sich die Geräte gleichzeitig via 4G und 5G. Diese Doppelverbindungen benötigen mehr Strom und entladen die Akkus der Geräte schneller. Bei 5G SA wird keine Verbindung über 4G aufgebaut. Alle Verbindungen laufen ausschliesslich über 5G. Das reduziere den Stromverbrauch. Eine Akkuladung halte damit ca. 10-20 Prozent länger.
5G SA ermöglicht desweiteren dedizierte Lösungen, bei denen die Reaktionsgeschwindigkeit der Datenverbindungen (sog. Latenzzeit) gesenkt wird. Das heisst, die Zeit, die es braucht, bis versendete Daten beim Empfänger ankommen, kann sich praktisch auf Echtzeit-Niveau verringern. 5G SA könne dadurch neue Anwendungen ermöglichen, die von der Echtzeit-Datenübertragung profitierten.
Auch wenn die mobile Kommunikation via 4G hohe Sicherheitsstandards bietet, gehe 5G SA weiter. Mittels speziellem Identitätsmanagement der verbundenen Geräte sollen die Verbindungen sicherer werden. 5G SA biete überhaupt die sichersten Mobilfunkverbindungen.
Mit 5G SA lasse sich zudem eine grössere Anzahl von Geräten mit dem 5G-Netz verbinden, was besonders Vorteile beim Internet der Dinge (IoT) und weiteren industriellen Anwendungen bringe.
Und mit "Network Slicing" könne 5G SA den Unternehmen eine Funktionalität bieten, die es beim bisherigen 5G nicht gab. Das physische Mobilfunknetz wird hier in mehrere virtuelle Netze aufgeteilt ("Slicing"), die jeweils punkto Latenzzeit, gesicherte Bandbreiten und Verbindungszuverlässigkeit bedarfsgerecht optimiert werden können. Weitere Slicing-Anwendungsbeispiele sind: Verbindungen für TV-Stationen in überfüllten Stadien oder bei Grossanlässen. Rettungs- und Sicherheitsorganisationen erhalten Verbindungen, die insbesondere in Notfallsituationen stabil bleiben, in denen eine zuverlässige Kommunikation unerlässlich ist. In der Industrie 4.0 können vernetzte Roboter und Fertigungsanlagen von einem dedizierten Netzwerk-Slice profitieren, der für niedrige Latenz und hohe Zuverlässigkeit optimiert ist, usw.
