Schach: KI und Menschen halten Spannung unterschiedlich aufrecht (Foto: pixabay.com, Piro4D)

KI-basierte Schachprogramme erhalten strategische Spannung deutlich länger aufrecht als die besten Schachspieler der Welt. Zu dem Schluss kommt eine Analyse des Complexity Science Hub (CSH) und der Universität Parma. Die Forscher sehen darin einen möglichen Hinweis auf grundlegende Unterschiede zwischen Mensch und KI im Umgang mit Komplexität.

Die Experten haben über 2.000 Schachpartien Zug für Zug analysiert - Partien zwischen Menschen ebenso wie zwischen KI-Systemen. Dabei sind sie auf einen grundlegenden Unterschied im Umgang mit dem gestossen, was sie als "strategische Spannung" bezeichnen.

"Menschen und KI unterscheiden sich darin, wie sie Komplexität managen. Menschliche Spieler reduzieren sie ziemlich rasch. KI-Systeme hingegen halten sie aufrecht", unterstreicht Studienautor und CSH-Wissenschafter Vito D. P. Servedio.

Gemessen worden ist, wie viele Möglichkeiten nach jedem Zug offenbleiben. Je grösser der Spielraum an offenen Möglichkeiten zu einem bestimmten Zeitpunkt ist, desto stärker fällt die "strategische Spannung" aus, die Spieler erleben.

Menschliche Spieler und auch KI-basierte Schachprogramme bauen in der Eröffnung und im frühen Mittelspiel strategische Spannung auf. Tatsächlich erreichen Top-Spieler kurzzeitig sogar einen noch höheren Spitzenwert an strategischer Spannung als KI-Programme, heisst es. Danach trennen sich jedoch die Wege, so die Forscher des CSH und der Universität Parma. Menschen bauen demnach Spannung ab, während KI-Programme eine breitere, das gesamte Schachbrett umfassende Komplexität deutlich länger aufrechterhalten.

Der Ausgang einer Partie steht häufig bereits fest, bevor die strategische Spannung ihren Höhepunkt erreicht hat. Sobald sich eine Seite einen dauerhaften Vorteil erarbeitet hat, vereinfachen sowohl Menschen als auch KI in der Regel die Spielsituation, so das Fazit.