Die deutschen Hightech-Riesen SAP und Siemens fordern von der EU ein neues Rahmenwerk, das Innovationen fördere, anstatt sie zu behindern. Dies betonten die Chefs von SAP, Christian Klein, und Siemens, Roland Busch, in einem gemeinsamen Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).
Busch zufolge seie der europäische AI Act einer der Gründe, "warum wir hier nicht Vollgas geben können". Die Regularien seien teilweise widersprüchlich und überschnitten sich mit bestehenden Gesetzen. Den Data-Act bezeichnete Busch als "toxisch für die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle".
Zudem lässt Busch wissen, dass er einen Brandbrief von Industrievertretern an die EU-Kommission, in dem ein Moratorium der Regeln gefordert wird, bewusst nicht unterzeichnet, "weil er mir nicht weit genug ging". Es gehe nicht darum, die Regeln nur für eine Weile auszusetzen. "In der Zwischenzeit müssen wir das Gesetz substanziell verändern", bedingt sich der Siemens-Chef aus. Eine Änderung der Datenregeln solle dabei Vorrang vor Investitionen in Rechenzentren haben. "Wir sitzen in Europa auf einem Datenschatz, kriegen den aber noch nicht gehoben", so Busch. SAP-Boss Klein wiederum warnte davor, die Strategie der USA zu kopieren und primär in Infrastruktur zu investieren. Bislang sei kein KI-Projekt an fehlender Rechenkapazität gescheitert.
Der Vorstoss erfolgt vor dem Hintergrund der Umsetzung des Gesetzespakets. Das EU-Parlament hatte den AI Act 2024 verabschiedet. Er ordnet KI-Anwendungen in Risikoklassen ein, wonach Anbieter bestimmte Sicherheits- und Transparenzanforderungen erfüllen müssen. Zuletzt hatten jedoch US-Konzerne wie Alphabet und Meta sowie die europäischen Unternehmen Mistral und ASML eine Aufschiebung gefordert und dies mit fehlenden Leitlinien begründet.
Allerdings lehnte die Brüsseler Behörde bisher eine Verschiebung der Einführung des gesamten Gesetzes ab. Zu den nun erhobenen Forderungen von Siemens und SAP lieg bislang noch keine Stellungnahme der EU-Kommission vor.
