Forschern der Ingenieurschule der University of California San Diego ist es gelungen, dass sich Millimeterwellen um Ecken winden können. Sie lenken die Wellen mit Hilfe von 15 Mal 15 Zentimeter grossen Kacheln um, sodass diese sich um Ecken und Möbel herumschlängeln können. Die Kacheln sind mit tausenden Mustern überzogen, die kleiner sind als die Wellenlänge. Dadurch können sie ankommende Wellen einschliesslich der Informationen, die sie transportieren, streuen und überall im Raum verteilen.
Millimeterwellen sind eigentlich ideal für die moderne Kommunikation. Sie können ungeheure Mengen an Informationen drahtlos transportieren, was extrem wichtig ist für Funkstandards der Zukunft wie 6G. Doch sie haben bislang einen entscheidenden Nachteil: Anders als die Frequenzen, die heute genutzt werden, können Millimeterwellen Mauern und andere Hindernisse nicht durchdringen. In Gebäuden wäre man von der drahtlosen Kommunikation ausgeschlossen.
Die Forscher der University of California San Diego (UCSD) haben nun mit ihrem neuen Konzept einen Ausweg aus dem Dilemma gefunden. Die Signale müssen allerdings über geeignete Empfänger zunächst ins Gebäude geleitet werden. Hier lassen sie sich durch zahlreiche strukturierte Kacheln, die strategisch verteilt sind, zu jedem Punkt lenken - was umgekehrt ebenso funktioniert. Millimeterwellen, die Geräte im Haus aussenden, werden entweder zu anderen Geräten in den Räumen oder zu einer Zentrale gelenkt, von der aus sie in die Umwelt entlassen werden.
"Unsere Arbeit zeigt, dass Oberflächen Millimeterwellen-Netzwerke in realen Umgebungen robust machen können, und das bei deutlich geringerer Komplexität und zu deutlich weniger Kosten im Vergleich zu gängigen aktiven, rekonfigurierbaren, intelligenten Oberflächen", so der leitende Wissenschaftler, Elektro- und Computeringenieur Xinyu Zhang (UCSD). Ihre Forschungsergebnisse präsentierten er und sein Forscherteam kürzlich auf der Konferenz SIGCOMM 2026 in Denver.
Die 3D-gedruckten reflektierenden Kacheln des Teams bestehen aus Kunststofffilament mit einer Schicht aus leitfähiger Farbe. Sie kosten etwa zwei US-Dollar (ein Dollar entspricht derzeit 86 Eurocent) pro Stück und benötigen weder Strom noch Steuerung noch eine Koordination während des Betriebs. Zhang merkt an, dass sein Team ein vorläufiges Patent für die Technologie besitzt und offen ist für eine Zusammenarbeit mit Industriepartnern im Hinblick auf eine Technologie-Lizenzierung und Kommerzialisierung.
