Apps: Kinderschutz funktioniert oft nicht wie angepriesen (Foto: Matthew Modoono, northwestern.edu)

Die Massnahmen der Social-Media-Plattformbetreiber zum Schutz von Kindern im Internet funktionieren nicht. Zu diesem Urteil gelangen Forscher der Northeastern University. So funktionieren nur 35 von 86 getesteten Kindersicherheitsfunktionen, die von Instagram, Tiktok, Snapchat und Youtube beworben werden.

Die Experten der Northeastern University haben beispielsweise festgestellt, dass auf Tiktok schädliche Inhalte auf einem für Minderjährige registrierten Konto zugelassen wurden und sogar von sich aus vorgeschlagen wurden. Die Tests fanden mit Konten statt, die die Forscher zuvor eingerichtet hatten. Dabei taten sie so, als seien sie minderjährig.

Jede Sicherheitsfunktion wurde anhand von zwei Kriterien getestet: ob sie so funktionierte, wie von den Social-Media-Unternehmen angegeben, und ob das Tool dem jugendlichen Nutzer beim Scrollen überhaupt angezeigt wurde. Erfolgreiche Sicherheitsfunktionen erfüllen laut der Studie beide Kriterien.

Die Sicherheitsfunktionen mussten zudem standardmässig aktiviert sein oder leicht zu aktivieren sein, der normalen Nutzung durch Teenager standhalten und nachweislich funktionieren. Den Fachleuten nach gab es neun Sicherheitsfunktionen, die angegeben waren, überhaupt nicht oder diese liessen sich nicht auslösen, selbst als die von den Social-Media-Unternehmen beschriebenen Schritte minutiös befolgt wurden.

34 Sicherheitsfunktionen waren "defekt"; das Tool existierte zwar, aber versagte entweder so, dass es seinen Zweck verfehlte, oder lässt sich - wie Laura Edelson es nennt - "auf triviale Weise umgehen". Von diesen 34 Funktionen waren laut der Studie defekt und versteckt - sowohl funktionsunfähig als auch praktisch unerreichbar, entweder weil sie tief in den Einstellungen vergraben waren oder weil die Konfiguration für ein durchschnittliches Kind zu schwierig war.

Obwohl sich die einzelnen Plattformen unterscheiden, weisen sie doch einige Gemeinsamkeiten auf. Alle "Verhaltens"-Sicherheitsvorkehrungen, die regeln sollen, wie Nutzer miteinander umgehen, und die Cybermobbing verhindern oder aufdecken sollen, versagten auf allen vier Plattformen, unterstreichen die Wissenschaftler.

So konnte ein Jugendlicher problemlos gemobbt werden. Nur jedes dritte Tool zur Eindämmung zwanghafter Nutzung, wie beispielsweise Bildschirmzeitbeschränkungen und Erinnerungen an Pausen, ist laut der Untersuchung erfolgreich. Viele Sicherheitsfunktionen stützen sich auf eine Liste gesperrter Begriffe, doch schon eine einfache falsche Schreibweise eines dieser Wörter reicht aus, um die Funktion effektiv zu umgehen, so das Fazit.