Symbolbild: Pixabay/Lukas Bieri

Künstliche Intelligenz (KI) führt in der Schweiz nicht zu einer massenhaften Vernichtung von Arbeitsplätzen, sondern zu einer tiefgreifenden Verschiebung von Aufgabenprofilen und Einstiegschancen. Dies geht aus dem aktuellen "Jobs.ch KI Report 2026" hervor, der von Jobcloud veröffentlicht wurde. Er liefert eine umfassende, datenbasierte Analyse. Die Studie untersucht 7,3 Millionen Stelleninserate aus den Jahren 2019 bis 2025 sowie Befragungen von über 3'600 Angestellten und 850 Unternehmen in der Schweiz.

Gemäss dem Report kommt es zu einem drastischen Rückgang bei Einsteigerjobs. Der Anteil der Stelleninserate für Berufseinsteiger (Junior-Positionen) lag demnach im Jahr 2025 um 32 Prozent unter dem Durchschnitt der Vor-KI-Phase (2019–2022). KI übernimmt zunehmend Routineaufgaben, die traditionell von Berufsanfängern erledigt wurden.

Während Junior-Stellen schrumpfen, stieg hingegen der Anteil von Senior-Profilen um 26 Prozent. Unternehmen setzen bei komplexen Prozessen offenbar verstärkt auf menschliche Erfahrung, da einfachere Aufgaben digital gestützt ablaufen.

Die Untersuchung verweist weiters auf einen Zwei-Klassen-Arbeitsmarkt (Scarcity-Index): Die Nachfrage nach Fachkräften spaltet sich. Bei sogenannten "KI-exponierten“ Büro- und Wissensberufen sank der Rekrutierungsdruck für Unternehmen um 69 Prozent – Stellen in Marketing, Administration oder IT lassen sich also viel leichter besetzen. In physischen, handwerklichen und medizinischen Berufen hingegen stieg der Mangel weiter an; eine Pflegefachkraft zu finden war beispielsweise achtmal schwieriger als noch 2023.

Auch geraten die Lohnstrukturen aus dem Gleichgewicht. Spezialisten mit tiefem KI-Wissen gewinnen stark, während das mittlere Segment in klassischen Bürojobs unter Druck gerät.

Vor allem unter jungen Arbeitnehmenden ist die Verunsicherung gross. Rund 41 Prozent der unter 25-Jährigen leiden unter Fear of Becoming Obsolete (der Angst, durch KI beruflich an Bedeutung zu verlieren).

Die Veränderungen zeigen sich vor allem am Schreibtisch, nicht in der Fabrikhalle. Stark betroffen sind laut der Aussendung von JobCloud speziell die Bereiche Administration & HR, Banking & Finanzen, Marketing & VertriebEinkauf sowie IT & Telekommunikation.

Gemäss der Analyse also lässt KI Arbeit nicht verschwinden, sondern verändert die Spielregeln. Technische, handwerkliche und ausgeprägte zwischenmenschliche Fähigkeiten (Soft Skills) gewinnen massiv an Wert. Die grösste gesellschaftliche Aufgabe wird es laut den Autoren sein, neue Wege zu finden, wie junge Menschen ohne klassische Junior-Aufgaben überhaupt noch erste Berufserfahrung sammeln können.