KI versus Finanzberater: Antworten der Tools überraschend gut (Bild: ChatGPT/Dall-E)

Immer mehr Menschen vertrauen in Sachen Finanzberatung auf die Empfehlungen einer Künstlichen Intelligenz (KI). Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung der Stanford University. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2025 haben bereits mehr als die Hälfte der Befragten eine KI um Finanzrat gebeten. Zum Vergleich: Rund 40 Prozent haben schon einmal mit einem menschlichen Finanzberater zusammengearbeitet.

Forschungsleiter Tim de Silva von der Stanford University hat gemeinsam mit seinen Kollegen Taha Choukhmane, Matthew Akuzawa und Weidong Lin von der MIT Sloan School of Management die Qualität KI-generierter Finanzberatung analysiert. Fazit: Die Tools liefern gute langfristige Finanzempfehlungen. Allerdings hängt die Qualität der Beratung stark davon ab, wie Nutzer ihre Fragen formulieren.

"Sie ist nicht perfekt, aber besser als viele andere Arten, wie Menschen Entscheidungen treffen - etwa indem sie Freunde oder Familie fragen oder einfache Internetsuchen durchführen. Das sollte man nicht als selbstverständlich ansehen: Es war keineswegs offensichtlich, dass die KI-Tools gute Finanzberatung liefern würden, denn ihre Ausbildung erfolgte nicht mit diesem Ziel", erklärt de Silva.

Für die Studie haben die Experten 1.000 Personen gebeten, drei Prompts zu formulieren: eine Beschreibung der persönlichen finanziellen Situation; eine Frage zu Ausgaben und Sparen; eine Frage zu Investitionen in verschiedene Anlageklassen. Etwa die Hälfte der Teilnehmer gab an, kürzlich KI für Finanzinformationen oder Finanzberatung genutzt zu haben. Die Forscher fütterten ChatGPT 5.2 und Gemini 3 Flash mit den realen Nutzeranfragen.

In vielen Fällen gab die KI weit umfangreichere Empfehlungen als ausdrücklich erfragt. So wurde das Thema Liquidität in 83 Prozent der Antworten angesprochen, obwohl nur sechs Prozent der Nutzer danach gefragt hatten. Und obwohl nur jeder Fünfte Fragen zum Sparen stellte, empfahl die KI regelmässig sichere Anlageformen wie hochverzinsliche Sparkonten, Staatsanleihen oder ähnliche risikoarme Anlageformen.

Die KI empfahl häufig konkrete Finanzprodukte - beispielsweise Indexfonds von Vanguard oder Fidelity, obwohl die Nutzer gar nicht danach gefragt hatten. De Silva hält diese Empfehlungen grundsätzlich für vernünftig, sieht jedoch ein mögliches Problem: "Die Entwickler dieser Modelle wissen, dass viele Menschen sie zur Finanzberatung nutzen werden. Deshalb könnte ein Anreiz entstehen, bestimmte Produkte besonders zu empfehlen", so der Studienautor.