Blasen: Um KI droht sich der Markt weltweit zu überhitzen (Foto: Nicky, pixabay.com)

Die Milliardeninvestitionen vor allem von US-Firmen in Hard- und Software der Künstlichen Intelligenz (KI) scheinen denen in Anwendungen rund um das Internet zwischen 1997 und 2000 zu ähneln, was schliesslich zum Platzen der Dotcom-Blase führte. Fatale wirtschaftliche und finanzielle Turbulenzen folgten. Die Erwartungen an das wirtschaftliche Potenzial des Internets überstiegen die tatsächlichen Gewinne vieler Unternehmen - bis der Markt diese Überbewertung korrigierte, mahnen Forscher der Cornell University.

KI scheint den Experten nach eine ähnliche Entwicklung mitzumachen. Es scheint erneut eine Blase zu entstehen, die zu platzen drohe. Martin Wells, Statistiker der Cornell University: "Unsere Analyse legt nahe, dass einige Unternehmen Merkmale aufweisen, die auf eine Spekulationsblase hindeuten." Er gibt sich aber zuversichtlich. Man müsse den Markt weiter beobachten.

Wells und sein Doktorand Abir Sarkar haben festgestellt, dass Google-Mutter Alphabet derzeit deutliche Anzeichen einer Überbewertung aufweist. Der Aktienkurs des Konzerns sei 2025 um mehr als 70 Prozent gestiegen und habe damit den gesamten Nasdaq Composite übertroffen, der um rund 20 Prozent zulegte. Der US-Index Nasdaq Composite bildet die Kursentwicklung mehrerer tausend Aktien ab, die an der Nasdaq-Börse gehandelt werden.

Die Forscher haben KI-exponierte Aktien von 2020 bis April 2026 analysiert, darunter grosse US-Tech-Unternehmen wie Apple, Amazon, Nvidia und Meta, Halbleiter- und KI-Infrastrukturunternehmen wie TSMC und Broadcom sowie Kryptowährungen. Ergebnis: Fast alle Halbleiterunternehmen befanden sich nach der Veröffentlichung von ChatGPT im November 2022 in einer Blase.

Das Modell der Forscher verdeutlicht, dass auch Tesla im Jahr 2020 Anzeichen einer Überbewertung zeigte. Bei ihrer Analyse von Kryptowährungen haben die Wissenschaftler ab Dezember 2020 eine Euphorie bei Bitcoin und Ethereum festgestellt. All diese Blasen seien inzwischen geplatzt, obwohl in einigen Fällen schliesslich neue Euphorie aufkam, heisst es.

Wells und Sarkar wollen ihre Forschung gemeinsam mit Robert Jarrow ausweiten, Professor für Investment-Management und führender Forscher auf dem Gebiet der Theorie zur Schätzung von spekulativen Blasen. "Das Identifizieren von überbewerteten Aktien ist wichtig, da Blasen irgendwann platzen, was zu dramatischen Kursrückgängen führt. Zu wissen, welche Aktien Blasen enthalten, ermöglicht es Anlegern, bessere Anlageentscheidungen zu treffen", urteilt Jarrow.