Tiktok steht am stärksten am Pranger (Bild: Pixabay/Konkarampelas)

Die Schweizer Bevölkerung schlägt beim Jugendschutz im Netz Alarm: Eine überwältigende Mehrheit von 87 Prozent der Bevölkerung befürwortet ein gesetzliches Verbot von Social-Media-Plattformen für Minderjährige. Dies zeigt eine neue, repräsentative Umfrage des Forschungsinstituts Demoscope in Zusammenarbeit mit dem Nachrichtenportal Watson. Sorgen um die psychische Gesundheit sowie das enorme Suchtpotenzial der Plattformen sind die Hauptgründe dafür.

Die Debatte um den Schutz von Kindern in der digitalen Welt erreicht damit einen neuen Höhepunkt. Während der Bundesrat derzeit prüft, ob eine Altersschranke für unter 16-Jährige eingeführt werden soll, ist die Bevölkerung der Politik bereits meilenweit voraus.

Das klare Resultat der Umfrage zieht sich durch die gesamte Gesellschaft. Sowohl in der Deutschschweiz (88 Prozent) als auch in der Romandie (87 Prozent) geniesst die Verbotsidee extrem hohen Rückhalt. Und Frauen (90 Prozent) sowie Männer (87 Prozent) sind sich ebenso einig wie alle Altersklassen, in denen die Zustimmung durchgehend über 86 Prozent liegt. Selbst bei der FDP, die dem Vorschlag am skeptischsten gegenübersteht, fordern 82 Prozent Einschränkungen; am höchsten ist der Zuspruch bei der Mitte-Wählerschaft mit 92 Prozent. Am grössten ist die Sorge bei Personen, die mit Kindern im selben Haushalt leben – hier stimmen ganze 90 Prozent für ein Verbot.

Die Gründe für den Ruf nach dem digitalen Riegel sind tiefgreifend. Als Hauptargument nennen die Befürworter die Sorge um die psychische Gesundheit der Jugendlichen, dicht gefolgt vom Suchtpotenzial der Apps, schädlichen Inhalten und der Gefahr von Cybermobbing.

Besonders eine Plattform steht dabei im digitalen Pranger: Ganze 97 Prozent der Verbotsbefürworter fordern eine Sperrung von Tiktok für Minderjährige. Instagram (91 Prozent) und Snapchat (87 Prozent) folgen knapp dahinter.

Bezüglich der Altersgrenze kristallisiert sich das 16. Lebensjahr als Richtwert heraus. 42 Prozent plädieren für einen Zugang ohne elterliche Zustimmung ab 16 Jahren, während 39 Prozent diesen Schritt erst ab 16 Jahren mit elternlicher Erlaubnis gutheissen. Kritiker des Verbots – eine Minderheit von rund 13 Prozent – argumentieren primär damit, dass sich Altersgrenzen im Internet ohnehin leicht umgehen lassen. Doch auch für die Durchsetzung zeichnet sich in der Bevölkerung ein klarer Favorit ab: 72 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, die Altersüberprüfung beim App-Zugang über die neue staatliche elektronische Identität (E-ID) abzuwickeln.

Mit diesen deutlichen Zahlen dürfte der Druck auf die Politik und die Social-Media-Konzerne in der Schweiz weiter massiv zunehmen.