Logobildquelle: OpenAI

Nun hat auch die ChatGPT-Entwicklerin OpenAI offiziell und vertraulich einen Antrag auf einen Börsengang (IPO) in den Vereinigten Staaten beantragt. Damit ist das Trio der am heissesten erwarteten Tech-Börsengänge komplett, nachdem kurz zuvor bereits die Konkurrenten Anthropic und SpaceX ähnliche Schritte eingeleitet haben.

OpenAI hat die Dokumente direkt bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Da es sich um einen vertraulichen Entwurf handelt, bleiben genaue Geschäftszahlen und Details vorerst unter Verschluss. Das Unternehmen mit Zentrale im kalifornischen San Francisco erklärte, dass der genaue Zeitpunkt noch offen sei, da einige operative Schritte privat leichter umzusetzen seien. Marktinsider spekulieren jedoch auf ein mögliches Börsendebüt bereits ab September 2026 oder im Laufe des Jahres 2027.

Bei der Erstnotierung wird eine Bewertung von bis zu 1 Billion US-Dollar angestrebt. Es könnte damit einer der grössten Tech-Börsengänge der Geschichte werden. Um diesen Schritt rechtlich zu ermöglichen, hat OpenAI seine Firmenstruktur angepasst. Das Unternehmen wurde in eine gemeinnützige Gesellschaft (Public Benefit Corporation) umgewandelt. Die ursprüngliche Non-Profit-Sparte ("OpenAI Foundation“) hält nun etwa 26 Prozent der Anteile, während Grossinvestor Microsoft rund 27 Prozent besitzt.

Hauptgrund des Börsengangs ist der enorme Kapitalbedarf. Das Training moderner KI-Modelle sowie die Miete und der Aufbau riesiger Rechenzentren verschlingen jährlich zweistellige Milliardenbeträge. Da OpenAI trotz stark steigender Umsätze durch diese Infrastrukturkosten aktuell noch stark defizitär arbeitet, soll der Börsengang frische Milliarden in die Kassen spülen.

OpenAI setzte im vergangenen Jahr zwar rund 13,1 Milliarden US-Dollar um, gab dafür aber rund 22 Milliarden Dollar aus. Das bedeutet einen Nettoverlust von etwa 9 Milliarden Dollar. Für das aktuelle Jahr 2026 erwarten Analysten einen Verlust von rund 14 Milliarden US-Dollar. Analysten der Investmentbank HSBC schätzen, dass das Unternehmen bis 2030 zusätzliche 207 Milliarden Dollar an frischem Kapital benötigen wird, um den Betrieb aufrechterhalten zu können. Profitabilität wird frühestens für 2029 oder 2030 prognostiziert.

Ein Grossteil der immensen Ausgaben fliesst direkt in die Miete von Cloud- und Rechenzentrumskapazitäten – ironischerweise oft zurück an Grossinvestoren wie Microsoft. Analysten bemängeln diese „Finanzierungsschleife“, da schwer zu durchschauen ist, wie viel echtes, freies Kapital dem Unternehmen am Ende bleibt. Da OpenAI bisher eine private, stark verschachtelte Organisation war, existieren noch keine öffentlich zugänglichen, nach Standard-Bilanzregeln geprüften Finanzberichte (Audited Financial Statements). Der Börsengang zwingt das Unternehmen zu einer radikalen Offenlegung, die die Bewertung stark belasten könnte.

ChatGPT hat zwar wöchentlich rund 900 Millionen aktive Nutzer, allerdings zahlen rund 95 Prozent dieser Nutzer keinen Cent. Jede kostenlose Suchanfrage erzeugt jedoch enorme Server- und Rechenkosten, was das Geschäftsmodell extrem ineffizient macht. Interne Berichte, die unter anderem vom Wall Street Journal veröffentlicht wurden, zeigen, dass OpenAI zuletzt wichtige interne Nutzer- und Umsatzziele verfehlt hat. Das Wachstum flacht ab, während die Kosten für die Entwicklung der nächsten Modellgenerationen explodieren.

OpenAI strebt eine Bewertung an, die dem 28-fachen des erwarteten Jahresumsatzes entspricht. Zum Vergleich: Der KI-Überflieger Nvidia wird trotz realer Milliardengewinne und massivem Free-Cashflow nur mit dem etwa 12-fachen des Umsatzes bewertet. Mehrere frühe Investoren äusserten laut Berichten denn auch bereits Zweifel, ob die geforderte Billionen-Bewertung fundamental gerechtfertigt ist. Und Analysten warnen vor einem systemischen Risiko. Sollte OpenAI nach dem IPO direkt in grosse Indizes wie den S&P 500 aufsteigen, wandern die unprofitablen Aktien automatisch in die ETFs von Privatanlegern. Kracht die Aktie nach dem Börsenhype ein, könnte das erhebliche Auswirkungen auf die private Altersvorsorge von Millionen passiven Anlegern haben.