Das charakteristische Piepen und Rauschen, das einst eine ganze Generation von Internetpionieren bei der Einwahl ins Netz in den Bann zog, ist bald Geschichte. AOL zieht nämlich seinem legendärem Dial-Up-Service, der seit 1991 Millionen den Weg ins World Wide Web ebnete, am 30. September endgültig den Stecker.
Auf der eigenen Help-Site verkündet der unter dem Dach von Yahoo segelnde Konzern das Aus. In einem knappen 100-Wörter-Statement heisst es dort zur Begründung: “AOL evaluiert routinemässig seine Produkte." dort. Ausser den Einwahl-Verbindungen selbst wird die dazugehörige Software eingemottet: Der AOL Dialer, ohne den es ohnehin nicht geht, und überraschenderweise auch der AOL Shield Browser. Letzterer war speziell für schwächere Systeme und träge Verbindungen entwickelt worden.
Gemäss dem US-Zensus nutzen nur noch etwa 250.000 Amerikaner Dial-Up-Verbindungen. Für manche in abgelegenen Regionen war es die einzige verfügbare Option. Im deutschsprachigen Raum erlangte AOL mit einer Fernsehwerbung mit Boris Becker und dem Spruch „Ich bin drin“ Bekanntheit. Allerdings veräusserte AOL sein Internet-Zugangsgeschäft ihierzulande bereits 2007, und seitdem gibt es hier keinen nennenswerten Dial-up-Betrieb oder Support mehr.
Dereinst zählte AOL zu den grössten Technologieunternehmen, später wurden Einwahlverbindungen jedoch durch schnellere DSL- und Glasfaserleitungen ersetzt. Auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase fusionierte AOL in einem Mega-Deal im Wert von 162 Milliarden Dollar (mehr als 139 Milliarden Euro) mit dem Medienriesen Time Warner. Nach einer Aufspaltung wurde das Unternehmen 2015 für 4,4 Milliarden Dollar an den Telekommunikationskonzern Verizon verkauft. AOL fusionierte mit einem anderen früheren Internet-Schwergewicht, Yahoo, und wurde 2021 für fünf Milliarden Dollar an den Investmentfonds Apollo Global Management verkauft.
